Nachhaltigkeit in der Schadenreparatur
- Loris Birolini
- 10. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Nachhaltigkeit ist auch in der Carrosseriebranche ein wichtiges Thema geworden. Für uns bedeutet das vor allem, bestehende Ressourcen möglichst sinnvoll zu nutzen und unnötigen Material- und Energieverbrauch zu vermeiden.
Dabei geht es nicht nur um unsere Photovoltaikanlage oder die Gebäudetechnik. Einen grossen Einfluss haben die täglichen Entscheidungen bei der Reparatur eines Fahrzeugs. Kann ein beschädigtes Teil repariert werden oder muss es ersetzt werden? Wie lange muss eine Lackierung getrocknet werden? Wie lassen sich Standzeiten und unnötige Ersatzwagentage vermeiden?
In den vergangenen Jahren haben wir deshalb verschiedene Bereiche unseres Betriebs und unserer Arbeitsabläufe laufend optimiert.
Reparieren, wenn es technisch sinnvoll ist
Bei einem Schaden prüfen wir grundsätzlich, welche Bauteile fachgerecht instand gesetzt werden können.
Eine beschädigte Stossstange muss beispielsweise nicht automatisch ersetzt werden. Je nach Schaden kann der Kunststoff repariert werden. Auch gebrochene Halterungen oder andere beschädigte Bauteile lassen sich teilweise instand setzen.
Das spart nicht nur die Kosten für ein Neuteil. Für jedes Ersatzteil fallen Herstellung, Verpackung und Transport an. Kann das bestehende Bauteil fachgerecht weiterverwendet werden, können diese zusätzlichen Aufwände vermieden werden.
Über 40 Prozent Reparaturquote bei Frontscheiben
Ein Bereich, bei dem wir unsere Abläufe in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt haben, sind Frontscheibenschäden.
Unsere Reparaturquote bei beschädigten Frontscheiben lag über die letzten Jahre bei leicht über 40 Prozent.
Bei einem Schaden klären wir im Voraus ab, ob eine passende Ersatzscheibe verfügbar wäre. Den Termin planen wir nach Möglichkeit so, dass wir zuerst versuchen können, die bestehende Scheibe zu reparieren. Sollte die Reparatur nicht erfolgreich sein, kann die Scheibe – sofern verfügbar – trotzdem noch am gleichen Tag ersetzt werden.
So können wir versuchen, die bestehende Scheibe zu erhalten, ohne dass dadurch im schlechtesten Fall zusätzliche Standzeiten oder Ersatzwagenkosten entstehen.
Auch bei der Terminplanung achten wir auf solche Details. Wenn sich beispielsweise vermeiden lässt, dass ein Ersatzwagen nur wegen eines Wochenendes mehrere zusätzliche Tage benötigt wird, berücksichtigen wir dies bei der Planung.
Für uns gehört auch das zu einer nachhaltigen Schadenabwicklung: nicht nur Material sparen, sondern den gesamten Ablauf sinnvoll organisieren.

Mobil bleiben, wenn Ersatzteile fehlen
Lieferzeiten für Ersatzteile lassen sich nicht immer beeinflussen. Das Fahrzeug deshalb während der gesamten Wartezeit ausser Betrieb zu nehmen, ist aber nicht in jedem Fall notwendig.
Wenn es technisch möglich und sicher ist, führen wir deshalb auch provisorische Reparaturen durch. Der Kunde kann sein eigenes Fahrzeug dadurch weiter nutzen, bis das benötigte Ersatzteil bei uns eingetroffen ist.
Anschliessend wird das Fahrzeug für die definitive Reparatur nochmals eingeplant.
Damit lassen sich je nach Schaden lange Standzeiten und zusätzliche Ersatzwagentage vermeiden.
Green Car Repair – nicht nur ein Zertifikat
Im Rahmen unserer Green-Car-Repair-Zertifizierung wurden verschiedene Bereiche unseres Betriebs überprüft.
Dazu gehörte unter anderem unser gesamtes Abfallkonzept. Dabei wurde geprüft, wie die unterschiedlichen Materialien und Abfälle im Betrieb gesammelt, getrennt und der entsprechenden Entsorgung beziehungsweise Wiederverwertung zugeführt werden.
Ein weiterer Teil der Prüfung war die praktische Instandsetzung von beschädigten Fahrzeugteilen. Wir mussten verschiedene Reparaturmethoden direkt vorführen.
Geprüft wurden unter anderem:
die Reparatur eines beschädigten Scheinwerferglases
die Reparatur einer Frontscheibe
die Reparatur eines Risses in einer Kunststoff-Stossstange
Damit wurde nicht nur beurteilt, welche Prozesse auf dem Papier vorhanden sind, sondern auch, ob entsprechende Reparaturen im Betrieb tatsächlich fachgerecht ausgeführt werden können.
86-kWp-Photovoltaikanlage auf unserem Betriebsgebäude
Seit 2023 befindet sich auf unserem Betriebsgebäude eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 86 kWp.
Der produzierte Solarstrom kann direkt für einen Teil des Strombedarfs unseres Betriebs genutzt werden. In einem Carrosserie- und Lackierbetrieb gibt es zahlreiche elektrische Verbraucher – von Kompressoren und Beleuchtung bis zu verschiedenen Maschinen und Anlagen.
Mit der eigenen Stromproduktion können wir einen Teil dieser Energie direkt auf unserem Dach erzeugen.

Weniger Energie beim Lackieren
Auch beim Lackierprozess gibt es Möglichkeiten, den Energieverbrauch zu reduzieren.
Unsere Lackieranlage verfügt über einen Wärmetauscher zur Wärmerückgewinnung. Ein Teil der Wärme, die ansonsten über die Abluft verloren gehen würde, kann dadurch wieder genutzt werden.
Zusätzlich arbeiten wir mit modernen, schnelltrocknenden Klarlacken. Dadurch verkürzt sich die notwendige Trocknungs- beziehungsweise Einbrennzeit in der Lackierkabine. Je kürzer die Anlage für diesen Prozess auf Temperatur gehalten werden muss, desto weniger Energie wird benötigt.
Bei den Basislacken arbeiten wir mit wasserbasierten Lacksystemen.
Auch das Gebäude spielt eine Rolle
Unser Betriebsgebäude stammt aus dem Jahr 2010 und wurde bereits beim Bau mit einer modernen Infrastruktur ausgestattet. In den vergangenen Jahren haben wir diese laufend weiterentwickelt.
Die Beleuchtung im Betrieb erfolgt mit energieeffizienter LED-Technik. Gerade bei den grossen Flächen einer Carrosserie- und Lackierwerkstatt und den entsprechend langen Beleuchtungszeiten lässt sich dadurch der Stromverbrauch gegenüber herkömmlicher Beleuchtung deutlich reduzieren.
Die Büroräumlichkeiten verfügen zudem über eine Dreifachverglasung. Beheizt wird das Gebäude über eine Bodenheizung, wodurch die Wärme mit vergleichsweise niedrigen Vorlauftemperaturen und gleichmässig im Gebäude verteilt werden kann.
Zusammen mit unserer 86-kWp-Photovoltaikanlage und der Wärmerückgewinnung der Lackieranlage sind dies verschiedene Massnahmen, mit denen wir den Energieverbrauch unseres Betriebs möglichst effizient gestalten.

Nachhaltigkeit in der Schadenabwicklung
Wenn eine Frontscheibe repariert statt ersetzt werden kann, werden Material und Kosten eingespart. Wenn ein beschädigtes Bauteil instand gesetzt werden kann, muss kein Neuteil produziert und transportiert werden. Wenn ein Kunde sein Fahrzeug während einer Teilelieferfrist weiterfahren kann, werden möglicherweise mehrere Tage Ersatzmobilität vermieden.
Viele dieser Entscheidungen sind für sich betrachtet relativ klein. Über eine grosse Anzahl von Reparaturen können sie jedoch einen Unterschied machen.
Deshalb versuchen wir, nicht einfach möglichst viele Teile zu ersetzen, sondern bei jedem Schaden die technisch und wirtschaftlich sinnvolle Reparaturmethode zu wählen.
Unser Ziel ist dabei klar: eine fachgerechte Reparatur mit möglichst geringem Material- und Energieeinsatz und einem effizienten Ablauf für Kunden und Versicherungen.


